Niederbayerischer Heimbetreiber startet ein neues Konzept für die Betreuung von dementen Bewohnern.

Das neue Altenheim Rosenheim X, in Lackenhäuser, im sogenannten “Rosenberger Gut” beheimatet, wurde am Freitag, den 10.09.2010, feierlich eröffnet. Es erhielt nicht nur ein Seniorenheim seinen kirchlichen Segen, sondern es wurde auch ein neuartiges Betreuungskonzept gestartet. Das Rosenium möchte neue Wege in der Arbeit mit Dementen gehen.

Konzept des neuen Rosenium Altenheims

Der Geschäftsführerin, Frau Schwarz, lag es am Herzen, das bäuerliche und naturnahe Leben zu betonen, in dem doch viele der älteren Menschen aufgewachsen sind. Hierfür eignet sich natürlich das Rosenberger Gut, ob seiner Bausubstanz und Nähe zum Dreiländereck, direkt an der tschechischen und österreichischen Grenze gelegen, besonders. Die Nähe zur niederbayerischen Heimat ist für die zukünftigen Bewohner ein entscheidender Wohlfühlfaktor – das Rosenium setzt seit Gründung auf wohnortnahe Angebote. Für den bäuerlichen Aspekt soll die Möglichkeit der Mitwirkung und Mitarbeit bei einer Kleintierhaltung sorgen. Auf dem weitläufigen Gelände des Rosenberger Gutes wurden bereits Stallungen und Freiflächen angelegt. Pünktlich zur Einweihung wurden zwei Schweine geliefert.

Was ist Demenz?

Das Online Lexikon Wikipedia definiert Demenz folgendermaßen:

Eine Demenz (lat. Dementia „ohne Geist“ bzw. Mens = Verstand, de = abnehmend) ist ein Defizit in kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten, das zu einer Beeinträchtigung sozialer und beruflicher Funktionen führt und meist mit einer diagnostizierbaren Erkrankung des Gehirns einhergeht. Eine der Auswirkungen ist der Verlust des Kurzzeitgedächtnisses.

Pflege und Therapie bei Demenz

Der Umgang mit Demenzkranken sollte an deren verändertes Erleben angepasst sein. Als hilfreiche Methoden im Umgang mit Demenzkranken haben sich erwiesen: Validation, Biografiearbeit/Erinnerungspflege, Basale Stimulation und die Selbsterhaltungstherapie (SET) nach Barbara Romero. Das Buch “Thieme Altenpflege” beschreibt die Biografiearbeit als sinnvolle Therapie, bei Demenz. Durch Biografiearbeit kann man erfahren, welche Bedeutung bestimmte Verhaltensweisen für den dementen Menschen haben (Was bedeutet es, wenn Herr M. abends nicht schlafen gehen will? Will er signalisieren: „Ich vermisse noch meinen Schlaftrunk.“, oder meint er: „Ich vermisse beim Schlafengehen meine Ehefrau.“?). Je gründlicher die Biografie sowie die Gewohnheiten und Eigenheiten eines Menschen bekannt sind, umso leichter kann man ihn verstehen. Auch hier ist wieder eine gründliche Dokumentation und eine enge Zusammenarbeit aller an der Pflege beteiligten Personen notwendig.

Biographiearbeit bei Demenz

Das vom US-Amerikaner Robert N. Butler entwickelte Konzept einer Lebensrückschau besagt, dass viele Menschen mit zunehmendem Alter den Wunsch verspüren, dem vergangenen Leben einen Sinn zu geben. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit kann persönliche Sicherheit geben, das Selbstvertrauen stärken und dabei helfen, die schwierigen Situationen des Älterwerdens besser zu bewältigen. Eine Beurteilung der erlebten Vergangenheit aus nachträglicher Sicht kann zu einer Integration der Biografie führen. Jene Diskrepanz, welche sich aus einem damaligen Wollen und dem tatsächlichen Lebenslauf ergibt, wird aufgehoben oder zumindest geringer. Drei Ziele der Biografiearbeit sind erkennbar:

Stärkung autobiografischer Kompetenzen

Fähigkeit erwerben, sich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen;
Mut zum Erzählen vermitteln;
Gedächtnisinhalte der älteren Generationen als verborgene Schätze wahrnehmen.

Rekonstruktion der Lebensgeschichte

individuelle Geschichten wiederbeleben;
ganzheitliches Verständnis für die eigene Biografie erlangen.

Integration der Lebensgeschichte:

positives Verarbeiten versöhnt Brüche, Widersprüche und Scheitern;
gewonnene Erkenntnisse werden zu einer Ressource für die Zukunft gemacht.

Im Altenheim Rosenium X, im Rosenberger Gut, erleben die Senioren die gerade beschriebene Integration von Lebensgeschichte, Autobiographie und Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

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